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Meine letzte Woche in Ghana war also die erste richtige Schulwoche für die ghanaischen Kinder. Und der erste Schultag an einer ghanaischen Schule sieht einfach mal GANZ anders aus als in Deutschland: Die Kinder bringen das gesamte Schulgelände auf Vordermann, was fegen der Klassenzimmer, des Hofes, Müll aufsammeln, und Sträucher und Gräser stutzen beinhaltet. Jedes Kind hatte entweder Besen oder Machete mitgebracht und wer nichts dabeihatte wurde heimgeschickt, um was zu holen. Wie in Deutschland auch wurden Klassensprecher und verschiedene „Dienste“ ernannt. Wer also z.B. die Bücher für die Lehrer holt, oder wer Stuhl und Pult des Lehrers bringt (die bleiben nach dem Unterricht nämlich nicht im Klassenzimmer, sondern im Büro des Schulleiters, des einzigen Raumes der gesamten Schule, der abgeschlossen werden kann). Am zweiten Tag ging der Unterricht dann richtig los und am Freitag, den 11. September war dann auch schon mein letzter Tag in der GLOVO-Schule. Ein paar der Kinder hab ich richtig ins Herz geschlossen, vor allem einen Jungen, der auch im angrenzenden Waisenhaus wohnt: Hope, der später einmal Arzt werden möchte und dem ich das auch absolut zutraue!

Freitagabend hieß es dann Abschied nehmen von meiner Gastfamilie, damit ich Samstagmorgen sehr früh aufbrechen kann um die Fahrt nach Benin zu meiner alten Gastfamilie anzutreten. Obwohl ich mich aufgrund mangelnder Englischkenntnisse ihrerseits nicht mit allen Mitgliedern meiner Gastfamilie so unterhalten konnte, wie ich es gerne gemacht hätte, hab ich auch sie alle ins Herz geschlossen und wenigstens zu meinen beiden ältesten Gastgeschwistern, Kizita und Naijib, will ich auf jeden Fall den Kontakt halten.

Samstagmorgen um 7 Uhr Ortszeit habe ich Swedru also verlassen um mich auf den langen Weg durch drei Länder und über zwei Grenzen zu machen. Ich war sehr froh, dass an den Grenzen alles mit den Visa geklappt hat und dass ich alle Wege und Fahrzeuge gefunden habe. Ich bin mir zwar sehr sicher, dass ich ein paar Mal zu viel für Taxis bezahlt habe, aber um 18 Uhr bin ich dann tatsächlich in meiner alten Gastfamilie in Comé angekommen.

Mein jüngster Gastbruder war gerade mal 9 Monate alt, als ich Benin verlassen habe, der kannte mich also nicht mehr. Aber der gesamte Rest der Familie freute sich so unbändig mich zu sehen und ich bin so wahnsinnig herzlich empfangen worden, dass die 4 Tage, die ich dann noch bei ihnen verbracht habe, wie im Flug vergangen sind.

Seit Donnerstag bin ich wieder in Deutschland zurück und erfreue mich an sicherer Stromversorgung, Waschmaschinen und warmen Duschen

Das Fazit meines Auslandsabenteuers: Ich hätte gern mehr in dem Projekt gearbeitet, für das ich mich auch beworben hatte, sprich: Unterrichten. Von der Organisation bin ich also nicht allzu überzeugt, da sie mich eigentlich schon bei der Bewerbung hätten informieren sollen, dass Ferien sind, wenn ich ankomme. Wenn ich das nämlich schon vorher gewusst hätte, hätte ich ein anderes Projekt, möglicherweise sogar in einem anderen Land gewählt. Sehr glücklich war ich aber über meine Gastfamilie und über die vielen Orte und Veranstaltungen, die ich besuchen konnte.

21.9.15 09:22, kommentieren

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Ausflug nach Cape Coast

Dieses Wochenende gab es schon wieder ein Festival in Ghana, und zwar in Cape Coast, ca. 2 ½ Stunden Fahrt von Swedru entfernt. Mit dem Festival verbunden habe ich einen Besuch im Kakuum-Nationalpark und in Cape Coast Castle.

Der Kakuum-Nationalpark ist ein Regenwaldgebiet. Eigentlich gibt es Regenwälder ja nur in den immerfeuchten Tropen und Ghana hat Trockenzeiten, aber die Vegetation Kakuums entspricht ziemlich genau der eines Regenwaldes. Die meisten Wege sind für Besucher selbstverständlich unzugänglich, aber seit 1994 gibt es einen sehr schönen Weg, den Regenwald aus einer anderen Perspektive zu erleben: Zwischen den Baumkronen ist eine Hängebrückenkonstruktion errichtet worden, die es den Besuchern erlaubt, den Regenwald von oben zu betrachten. Die Brücken sind ziemlich wackelig, weshalb es auch zwei Routen gibt: die 450 m lange, normale Strecke und eine 50m-Abkürzung für Leute mit Höhenangst – ich hab die Lange gemacht und dabei tolle Ausblicke genießen dürfen

Zurück in Cape Coast haben wir unsere Zimmer bezogen. Grete und ich sind bereits am frühen Morgen gestartet um eben Kakuum noch ansehen zu können, die anderen Freiwilligen und zwei unserer Mentoren sind nachgekommen. Für zwei Nächte haben wir uns einen 10er-Schlafsaal geteilt, der zum Oasis-Beach Club gehörte. Das Tolle an dem Ort: Wir hatten unser Zimmer keine 50m vom Meer entfernt! Cape Coast Castle war ebenfalls nur ca. 250 m entfernt und das haben wir uns am Nachmittag noch angesehen.

Cape Coast Castle ist eine Festung, die vor 350 Jahren gebaut wurde und dem Sklavenhandel diente. Die Führung hat uns in die Kerker gebracht, wo 1000 Männer und 300 Frauen eingepfercht waren. Zwei Wochen bis zu 3 Monate mussten die Gefangenen in diesen Kerkern verbringen bis ein Schiff kam, das sie dann - meistens nach Brasilien- verfrachtet hat. In der gesamten Zeit hatten sie keine Möglichkeit sich zu waschen, ihre Hinterlassenschaften flossen durch einen schmalen Graben durch die Kerker durch und sie bekamen gerade so viel zu Essen um am Leben zu bleiben. Viele wurden krank oder blind (in die Kerker fiel fast kein Licht) und während 1300 Sklaven im Kerker litten haben es sich die britischen Kolonialherren zwei Stockwerke weiter oben gut gehen lassen.  Auch wenn man natürlich viel über den Sklavenhandel aus Schule etc. weiß, ist es doch immer wieder erschreckend, sich die Orte des Geschehens selbst anzusehen. Der Besuch in Cape Coast Castle war interessant und sehr  einprägsam, aber es war dann doch schön, wieder draußen zu sein!

Am Abend begann das Festival! Der Tag stand unter dem Motto „Orange Friday“ und jeder, der ein oranges Kleidungsstück besaß, zog es an. Tausende Menschen waren in den Straßen und folgten tanzend den Trucks, auf denen Musikboxen standen, oder den Livegruppen. Wir haben uns unter die Leute  gemischt, aber dass die gesamte Truppe zusammenbleib war angesichts der Menschenmassen einfach unmöglich. Letzten Endes waren wir dann zu zweit in der Menge: Grete und ich mal wieder. Dass wir uns nicht verloren haben, war auch unseren „Begleitern“ zu verdanken. Wie zu erwarten war, haben die jungen ghanaischen Männer ihre Freude daran gehabt, mit den Obronis zu tanzen. Am Anfang hatten wir ständig einen anderen Kerl um uns herum, aber irgendwann hatte jede von uns dann einen besonders Hartnäckigen, der sich von keinem anderen vertreiben ließ, an den Hüften hängen. Wir haben die beiden dann auch nicht weggeschickt (sonst hätte sich nur jemand anderes drangehangen), sondern sind mit ihnen tanzend durch die Straßen gezogen bis zum Punkt, wo sich der Zug aufgelöst hat. Immerhin: die beiden haben schön darauf geachtet, dass Grete und ich uns nicht allzu weit voneinander entfernen und sie haben mit auf unsere Taschen aufgepasst, damit auch ja nichts geklaut wird. 

Der Höhepunkt des Festivals fand aber am Samstag statt: seit den Morgenstunden sind Akrobaten, Tänzer und Musiker durch die Straßen gezogen und haben Stimmung gemacht. Am Nachmittag gegen 16 Uhr haben sich alle Teilnehmer auf einem großen Platz eingefunden, wo alle Akrobaten etc. nochmal eine Vorführung gaben und wo dann auch die traditionellen Chiefs von Cape Coast eingezogen sind. Ebenfalls eingeladen waren Regierungsvertreter, darunter der Vizepräsident Ghanas Kwesi Amissah-Arthur. Da wir früh genug da waren, haben Grete, ich und Sandra, eine der anderen Freiwilligen, Plätze in der ersten Reihe bekommen. So kam es, dass wir perfekte Sicht auf jeden der Darsteller hatten, denn jedesmal, wenn einer der Teilnehmer auf den Platz gekommen ist, hat er nicht nur seine Show gemacht, sondern auch eine komplette Runde an den Sitzreihen vorbei gedreht. So auch der Vizepräsident. Und so kam es, dass ich die große Ehre hatte, die Hand des ghanaischen Vizepräsidenten zu schütteln! Die Veranstaltung ging dann in etwa 2 Stunden, in der viele Reden gehalten wurden (ein paar auch in EnglischJ) und viel getanzt uns musiziert wurde.

Ich war rundum begeistert von diesem Festival und nach einem Vormittag am Strand sind wir Sonntag wieder zurück nach Swedru gefahren. Im Trortro ist dann noch etwas recht Ungewöhnliches passiert: Mitten unter der Fahrt ist einer der Passagiere aufgestanden und hat begonnen, aus der Bibel vorzulesen und eine Predigt zu halten. Die allermeisten Afrikaner sind unglaublich religiöse und gläubige Leute, egal ob Christen oder Muslime. Es gibt hier auch sehr viel mehr Konfessionen als bei uns und Religion hat im Alltag einen sehr hohen Stellenwert. Außer „Jesus“, “Amen“, “Halleluja“, „Antichrist“ und „God“ hab ich von der Predigt des jungen Mannes zwar nichts verstanden, aber es war ein nettes Erlebnis, das einem so, glaub ich, sonst nirgends widerfahren wird

7.9.15 16:31, kommentieren