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Ausflug in die "eastern region"

Diese Woche findet kein Unterricht statt. Die vergangenen drei Wochen war extra Ferienunterricht, den in dieser Gegend auch nur die GLOVO-Schule angeboten hat. Diese Woche ist nochmal frei und nächsten Montag fängt dann im gesamten Land das neue Schuljahr an.

Diese Woche kann also zum Reisen verwendet werden: Von Montag bis Dienstag war ich mit Charlotte und Grete in Akosombo, der Stadt am Staudamm des Volta-Sees, des größten künstlichen Sees der Welt!

Montagmorgen um 7 Uhr sind wir in Swedru gestartet: Trotro nach „Ganeshie motor park“ in Accra, ein Ort, der chaotischer und unübersichtlicher kaum sein kann! Als Außenstehender hat man absolut keine Chance, seine Verbindung alleine zu finden. Es gibt keine Fahrpläne, keine Wegweiser oder ähnliches. Aber zu unserem großen Glück, sind die Ghanaer unglaublich hilfsbereit: Wir wurden so lange rumgereicht und von einem „Bahnhof“ zum anderen geschickt, bis wir irgendwann tatsächlich im Trotro nach Akosombo saßen. Das Trotro ging aber gar nicht nach Akosombo, sondern nur in die Nähe davon. Aber auch hier hatten wir Glück: Eine Frau saß im Trotro, die auch nach Akosombo musste, und die hat uns dann mitgenommen. Das ist etwas sehr Schönes hier: Afrika erscheint einem oft sehr chaotisch, unübersichtlich und schlecht organisiert, aber du musst nur jemanden um Hilfe fragen und du kannst dir sicher sein: am Ende bist du genau da, wo du hin wolltest.

In Akosombo waren wir dann um kurz vor 13 Uhr. Charlotte schreibt gerade ihre Masterarbeit über den Stoffhandel in Ghana und welche Probleme für ihn durch den Import von Billigware aus China entstehen. Dazu hat sie vor ca. 2 Wochen ein Interview im Büro der „LTD Fabrics Company“  in Accra geführt und dort auch das Angebot bekommen, sich mal die Fabrik in Akosombo anschauen zu können. Grete und ich durften sie begleiten und die sehr freundlichen Mitarbeiter haben uns durch die verschiedenen Abteilungen der Fabrik geführt: Angefangen mit der Baumwolle, die gereinigt und in mehreren Schritten zu Fäden versponnen wird, von dort geht’s in die „Webstube“, wo über 500 Webstühle stehen. Der nächste Schritt ist das Waschen und Trocknen des Stoffes und dann kommt die Färberei. In dieser Firma gibt es zwei Färbetechniken: der eine Weg funktioniert über das Auftragen von Farbe durch Walzen und der zweite Weg heißt „Wax Block Prints“, eine Technik, bei der die Farbe mit gefärbtem Wachs aufgetragen wird. Das Wachs muss ausgewaschen werden, bevor die nächste Farbe aufgetragen werden kann. Die Herstellung auf diesem Weg ist aufwändiger und dementsprechend teurer, aber die Farben sind intensiver und halten länger! Nach erneutem Waschen und Trocknen geht es in die Verpackungsabteilung, wo die Stoffe in 6- oder 12-Yard-Stücke geschnitten und verpackt werden.

Die Mitarbeiter waren wirklich unglaublich freundlich und haben uns sehr viel zu den einzelnen Schritten erzählt. Da Charlotte die Fabrik zu Recherche-Zwecken besucht hat, durften wir  Photos machen, was aus Betriebssicherheitsgründen sonst eigentlich nicht erlaubt ist. Nach der Besichtigung hat uns der Firmenbus sogar zu unserem Gästehaus gebracht. Mit so viel Gastfreundschaft kann man in Deutschland selten rechnen!

Am nächsten Morgen sind wir zeitig aufgestanden und haben eine Bootstour auf dem Volta-River gemacht, was sich rein zufällig ergeben hat: beim Spaziergang durch die Stadt am Abend davor sind wir auf das Schild eines Beachclubs gestoßen, den wir uns einfach so mal angeschaut haben. Der Beachclub gehört zu einem Luxushotel, das bei den Zimmern zwar weit außerhalb unserer Preiskategorie liegt, das aber recht günstige Boottrips anbietet! Wir haben also spontan beschlossen, die 40-minütige Bootstour vor unseren Besuch des Staudamms zu legen - und das hat sich absolut gelohnt! Der Fluss fließt sehr ruhig und in ihm liegen mehrere Inseln, die Naturschutzgebiet sind und eine wunderschöne Flora haben. Am Ufer kann man Fischerboote sehen, in deren Hintergrund erheben sich bewaldete Hügel. Im Gegensatz zu vielen anderen Wasserläufen des Landes ist der Volta-River auch sehr sauber! Wir waren hellauf begeistert von dieser Bootstour und gut gelaunt haben wir uns zu unserem letzten Ziel aufgemacht: der Staudamm des Volta-Sees.

Der Staudamm ist Sicherheitszone, deshalb muss man vor dem Besuch eine Genehmigung im Besucherzentrum in der Stadt holen und dort auch ein privates  Auto mieten, da Taxis nicht in diese Sicherheitszone fahren dürfen! Nach kurzer verwirrender Suche des Besucherzentrums (der Weg ist zwar ausgeschildert, aber das Besucherzentrum selbst sieht aus wie ein Wohnhaus), haben wir uns angemeldet, die Gebühr bezahlt und auf unser Privatauto gewartet. Es war übrigens günstiger als es sich anhört: pro Person haben wir alles in allem keine 6 € bezahlt!

Im Preis inbegriffen war auch ein privater Reiseführer, der uns sehr viel erzählen konnte: Der Staudamm wurde in den frühen 60ern gebaut, finanziert von den USA, UK und Canada. Der Bau dauerte 3 Jahre. Im Staudamm sind 6 Turbinen eingebaut, die je nach Wasserstand auch alle rund um die Uhr arbeiten. Im Norden des Landes, an einem der Zuläufe des Sees, und weiter im Süden, am Volta-River, gibt es noch zwei weitere Staudämme, aber der in Akosombo ist der größte und er staut den größten künstlichen See der Welt auf. Der Großteil der Stromversorgung des Landes beruht auf diesen Dämmen. Es gibt noch ein paar Kohle- und Erdölkraftwerke, aber alle Kraftwerke des Landes zusammen liefern nicht genug Strom für die Bewohner Ghanas, deshalb kommt es immer wieder zu den Stromausfällen. 

Unser Fahrer (der auch der Reiseführer war) war so nett, uns direkt zum „Trotro-Bahnhof“ in Akosombo zu bringen, von wo aus auch direkt eines nach Accra ging. Wir sind um 11Uhr losgefahren, um  17.30 Uhr waren wir wieder in Swedru und um eine paar tolle Erfahrungen reicher!

3.9.15 12:20, kommentieren

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Hochzeit!

Ich hatte an diesem Samstag die große Ehre, einer traditionellen afrikanischen Verlobungs-/Hochzeitsfeier beizuwohnen! Lawrence, einer der Mitarbeiter der Organisation vor Ort, hatte alle Freiwilligen zu seinem großen Tag eingeladen.

Die Feier sollte –laut Einladung- um 8 Uhr beginnen. Mit den Zeitangaben ist das hier aber so: wenn du eine Verabredung um 10 Uhr hast, machst du dich bestenfalls um Punkt 10 Uhr auf den Weg, man sollte eher mit noch mehr Verspätung rechnen. Pünktlichkeit ist nicht die Stärke der Afrikaner und auch ein Grund, warum ich hier nicht leben wollen würde: Man verschwendet einfach SO viel Zeit mit warten, in der man produktiv sein könnte!

Jedenfalls: Im Glauben, dass Lawrence zu seiner eigenen Verlobung doch wohl nicht zu spät kommen würde, waren alle auf Pünktlichkeit bedachten Europäer um 8.30 Uhr (ganz pünktlich wollten wir dann doch nicht sein) am Haus seiner Angebeteten. Die Zeremonie hat schließlich um 10 Uhr begonnen, also mussten wir doch warten…

Die Zeremonie lief dann so ab: Zunächst trafen sich die Eltern und andere Fürsprecher der beiden zu Verlobenden im Elternhaus der Frau –Patience heißt die Gute -, wo Brautgeschenke ausgetauscht und „verhandelt“ wurde. So sollte die Familie von Lawrence beispielsweise einen Teil der Flugkosten für die aus den USA angereiste Schwester der Braut übernehmen. War dann alles unter Dach und Fach, durfte Lawrence von draußen dazukommen und selbst nochmal Geschenke überreichen und offiziell um die Hand von Patience anhalten. Ihre Eltern und sonstigen Fürsprecher (Bruder, Onkel, Tante,&hellip haben zugestimmt und dann endlich durfte auch die Braut ins Zimmer kommen, wo sie selbst nochmal von Lawrence gefragt wurde. Und natürlich hat sie „Ja“ gesagt Ein Priester hat die beiden noch vor Ort vermählt.

Die gesamte Zeremonie fand im Wohnzimmer der Eltern der Braut statt und die Gäste haben sich im Zimmer gedrängt oder haben durchs Fenster reingeguckt. Die Sprache war natürlich Fanti, aber das meiste war recht selbsterklärend und die Vermählung selbst, die der Priester durchgeführt hat, war auf Englisch. Zwischendurch wurde auch sehr viel gesungen.Es war wirklich eine sehr schöne Feier, die übrigens rein symbolischen Wert hat: Lawrence und Patience sind schon seit mehreren Jahren zusammen, haben sogar schon eine kleine Tochter! Die Zeremonie fand rein zur Ehrung der Tradition und Religion statt. Die richtige offizielle Hochzeit wird erst in ein paar Wochen sein.

Nach der Zeremonie wurde dann gefeiert: Die gesamte Hochzeitsgesellschaft zog in eine Bar in der Nähe, die wunderschön dekoriert war. Und es heiß mal wieder warten: um kurz vor 12 Uhr waren wir da, um 14 Uhr kam das Brautpaar an und die Feier ging weiter. Wir haben uns in der Zwischenzeit aber selber schon mit Getränken versorgt, also war die Wartezeit recht kurzweilig ;-) Das Brautpaar ist dann eben um 14 Uhr eskortiert von Freunden eingezogen und die Freunde haben für die beiden getanzt, bevor Lawrence und Patience selbst dran waren. Sie hatten beide das traditionelle Outfit der Zeremonie gegen ein weißes Kleid bzw. weiße Hose + Hemd getauscht. Dann durften auch die Gäste auf die Tanzfläche und da muss ich sagen, dass ich SEHR enttäuscht von meinen weißhäutigen Kollegen bin! Von 12 anwesenden Europäern waren nur Charlotte und ich (freiwillig) auf der Tanzfläche. Schwache Leistung…Um 15 Uhr wurde ein Buffet eröffnet mit einer tollen Auswahl an afrikanischen Speisen, die noch nicht mal ich alle kannte. Getränke wurden auch verteilt, unter anderem Palmwein, der leicht säuerlich-bitter ist und den man auf gar keinen Fall in einer verschlossenen Flasche aufbewahren soll, da er noch gärt! Einer der Gäste, der schon recht angetrunken war, hat eine unter Druck stehende Flasche geöffnet und sich von oben bis unten vollgesaut. Die Feier ging dann leider bloß bis 18 Uhr, aber es hat trotzdem riesig Spaß gemacht! Und für die einmalige Gelegenheit, einer traditionellen afrikanischen Hochzeit beiwohnen zu dürfen bin ich mehr als dankbar!

3.9.15 12:08, kommentieren