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Unterricht mit Hindernissen

Am Montag fanden in der Schule ein paar Bauarbeiten statt. Es sollten zwei neue Klassenräume entstehen, für die an diesem Tag vor Ort die Tische zusammengezimmert wurden. Wie bereits mehrfach erwähnt, hört man in den offenen Klassenzimmern alles! Wenn grade gehämmert wurde, hatte man nur die Wahl entweder zu schreien oder zu warten bis es vorbei ist, um das Gesagte nochmal zu wiederholen. Da ich grade Matheunterricht gegeben hatte, hab ich dann einfach ein paar Aufgaben für die Kinder angeschrieben und darüber nachgedacht, wie einmal am Robert-Schuman-Gymnasium Bauarbeiten waren und sich meine Lehrer bei abschließbaren Fenstern und Türen noch über den Lärm beschwert haben...

Aktuell ist Trockenzeit in diesem Teil Ghanas. Das ist die angenehmste Zeit des Jahres: Der Himmel ist meist bewölkt, die Temperaturen liegen irgendwo zwischen 24°C und 30°C und da es fast nicht regnet, sind alle Straßen und Wege problemlos (wenn auch natürlich oft etwas holprig) passierbar. Manchmal regnet es halt aber doch und zu welchen ungeahnten Problemen das im Unterricht führt, habe ich am Dienstag erfahren dürfen, als auf einmal alle Kinder begonnen haben, ihre Bänke zusammenzurücken, denn: durch die nicht vorhandenen Fenster hat es reingeregnet! Immanuel, ein Lehrer an der Schule, hat mir danach im Bus erzählt, dass die Schule grade mal drei Jahre alt ist und dass ein paar der Klasseräume in der ersten Zeit nicht mal ein Dach hatten! Wenn es geregnet oder die Sonne zu stark geschienen hat, ist der Unterricht einfach ausgefallen.

Aber so ist das hier: sobald ein Gebäude halbwegs funktionstüchtig ist, wird es benutzt. Ich habe bereits ein Verwaltungsgebäude gesehen, in dem zwar der Bau an sich fertig war, wo dann aber ohne Strom gearbeitet wurde und natürlich etliche Wohnhäuser ohne Strom oder Wasseranschluss oder sogar mit einer noch unfertigen Etage, in denen trotzdem schon Leute gewohnt haben. So kann es durchaus sein, dass die GLOVO-Schule noch Fenster und Türen bekommt – aber das kann noch ein paar Jährchen dauern.

27.8.15 17:47, kommentieren

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schön und hässlich zugleich

Diesen Samstag war Sport angesagt! Ich hab mir zwar nicht die Laufschuhe angeschnallt und bin über Ghanas staubige Straßen gejoggt, aber ich habe mich mit den anderen Volontären auf Williams Einladung hin zum Kochen getroffen. Genauer gesagt haben wir Fufu gemacht. Und bis der mal fertig ist, braucht es einiges an Zeit und Muskelkraft! Fufu ist ein relativ gummiartiger Brei, der aus Maniok und Kochbananen besteht und der breiig wird, indem man die gekochten Zutaten stampft. Und zwar lange. Wir haben um ca. halb eins angefangen zu kochen, also erstmal waschen, schneiden und Zutaten kochen, was zusammen etwa 40 min gebraucht hat. Gegessen haben wir um halb vier. Geschlagene zwei Stunden haben wir nacheinander auf diesen Brei eingeprügelt, bis wir endlich genug für alle Anwesenden (15 Personen) zu einer homogenen Masse verarbeitet hatten! Das Essen hatten wir uns dann dementsprechend verdient und es schmeckte vorzüglich.

Sonntag sind wir nochmal nach Winneba an den Strand gefahren. Die Wellen waren dieses Mal stärker und man wurde richtig darin rumgewirbelt und gedreht, was einfach nur MEGA Spaß gemacht hat! Aufpassen musste man nur, dass die Strömung beim Zurückfließen des Wassers ins Meer alle Kleidungsstücke an ihrem rechten Platz ließ

Doch diesmal waren wir nicht nur zum Plantschen gekommen. Wir machten uns nach einiger Zeit auf den Weg zu einer Lagune, also einem Ort, wo das Meer hufeisenförmig vom Festland umschlossen wird. Mensch, war das schön dort!  Die Stelle, an der das Meer reinfließt, war ca. 10 m breit, und man konnte durchgehen. Wir mussten zwar gegen die sehr starke Strömung ankämpfen, die uns ins Meer zurückziehen wollte, aber da es nicht tief war und man relativ festen Stand hatte, war das absolut kein Problem. Einmal drüben angekommen, konnte man diese umwerfende Natur erkunden! Auf einer riesigen Fläche  war das Wasser niemals  tiefer als hüfthoch, eher noch flacher, und eine faszinierende Fauna hat sich angesiedelt. Überall wuselten kleine Einsiedlerkrebse durch das klare Wasser, Krabben haben sich auf den kleinen Inseln, die aus dem flachen Wasser rausragen, Gänge gebuddelt, und wenn man eine Zeit lang still dastand, sind sie rausgekommen und wild durcheinander gewuselt. Mehrere Vögel und Pflanzen konnte man auch beobachten. Es lagen überall im Wasser wunderschöne Muscheln und Schneckenhäuser rum und da konnte ich natürlich nicht widerstehen und hab ein paar sehr hübsche Souvenirs gefunden.

Das einzige, was mich an diesem Tag traurig gestimmt hat war, dass selbst in dieser abgelegenen Lagune jede Menge Müll rumlag! Die Müllentsorgung ist ein großes Problem in Ghana. Öffentliche Mülleimer gibt es fast überhaupt nicht, der heimische Müll wird meist auf einem Haufen gesammelt und verbrannt, nur wenige Haushalte nehmen den Dienst der Müllabfuhr in Anspruch, die man erst extra beantragen muss. Fast jeder wirft seinen Müll, den er unterwegs produziert (leere Wassertüten, Verpackungen,&hellip achtlos an den Wegrand oder in den Straßengraben. Der Müll landet dann zwangsläufig irgendwann in den Bächen und Flüssen. Und die sehen wirklich widerlich aus! Der Fluss, der durch Swedru durchfließt, führt dunkelgraues Wasser und ist voller Plastikmüll. Die Regierung und auch die meisten Ghanaer sind sich des Problems zwar bewusst und ab und zu wird eine Straße oder ein Wasserlauf mal gesäubert – aber es ist viel viel viel zu wenig, was da passiert! Immerhin gibt es für die Zukunft Hoffnung: Wie wir unsere Umwelt schützen und bewahren ist inzwischen ein fester Bestandteil des Lehrplans geworden. Spätestens die nächste Generation sollte also ein umfassendes Umweltbewusstsein entwickelt haben und dies hoffentlich auch umsetzten!

24.8.15 18:03, kommentieren